Ausstellungen

8. Ausstellung im Café ABDERHALDEN Wattwil und Ebnat-Kappel vom 1. Juli – 31. Dezember 2018

Weisse Wände sind verpönt. Entweder gelten sie als kulturlos oder sind Ausdruck einer klaren ästhetischen Haltung. In einem Café, an einem Ort der Begegnung und der Gastfreundschaft, dürfen die Wände etwas Farbe haben. Manchmal leicht schillern, eine Geschichte erzählen oder sich zurück nehmen. Lieber weniger, denn zu viel.

Seit Januar 2015 werden im Café Abderhalden in Wattwil und im Kafihus in Ebnat-Kappel zeitgleich zwei Ausstellungen im Jahr zu sehen sein.

Diese können regionale Bezüge aufgreifen, Unbekanntes und Neues zeigen und auch unerwartete Denkansätze verfolgen. Der langjährige Ausstellungsmacher der Propstei St.Peterzell, Roman Menzi, versteht das Angebot der Gastgeber als eine lustvolle Taschenspielerei. In Anlehnung an das einst fahrende Volk, welches in Wirtshäusern mit wenig und kleinen Requisiten unerwartete Kunststücke aufführte.

Farben — Pigmente einer Sammlung

Die 8. Ausstellung im Café Abderhalden zeigt eine kleine Pigment-Auswahl der Farbmühle Kremer im Allgäu. Die Farbaufstriche auf Papier sind Pigmentmischungen gebunden mit Milcheiweiss (Kasein) oder einer Ei/Ölemulsion. Eine hochwertige Farbqualität bedingt einen geeigneten Untergrund der
mit dem nachfolgenden Anstrich kompatibel ist. Ein reines, möglichst unverschnittenes Pigment und ein atmungsaktives, nicht filmbildendes Bindemittel garantieren Farbtiefe und Brillianz.

Das Thema Farbe ist fast grenzenlos. Dennoch möchte ich nachfolgend eine inhaltliche Schlaufe ziehen, um ein paar Gedanken beieinander zu wissen.
Anfänglich standen den Malern einzig farbige Erden zur Verfügung. Roter und gelber Ocker, beispielsweise, sind eisenoxid– und eisenoxidhydrathaltige Pigmente die gegraben und gereinigt wurden. Die Varietäten sind reichhaltig und fundortbedingt. Als Herkunftsort kommen all unsere Nachbarländer vor. Schönes, mineralisches Grün kam oft aus Zypern, war aber auch als Veroneser Grün oder Böhmische Erde zu haben. Schwarz war Flammruss, Kohle oder verbrannte Knochen, also immer Kohlenstoff und Vogelkot, Kreide oder Kalk diente als Weiss. Farben wurden seit jeher gehandelt, meistens als feines Pulver das durch Schlämmen in Überlaufbecken, durch Windsichten oder Mahlen gewonnen wurde. Kostbare Pigmente wurden auch als Farbteig, eingeschlagen in Tüchern, auf die Schiffe geladen. Auf der Suche nach erlesenen Farbnuancen kamen auch Gesteinsbrocken in den Handel.
Zudem haben bereits in der Antike und bis ins späte Mittelalter Alchemisten durch Umwandlungsprozesse, durch Glühen, Säuren und Fällen, zusätzliche, sogenannt synthetische Mineralfarben hergestellt. Viele davon sind metallisch, farbintensiv und oft giftig, dabei sind Giftigkeit und Schönheit gerne vereint. Unbestritten hat die Alchemie die Farbpalette bereichert und das Anwachsen des Angebots war noch immer geprägt vom lokalen Kolorit. Folglich war die Farbigkeit am Mittelmeer eine andere als in den Alpen, an Palästen anders als an Bürgerhäusern.
Im 20. Jahrhundert wurde die Pigmentherstellung durch die Petrochemie revolutioniert. Seither kann fast jeder beliebige Farbton synthetisch hergestellt werden. Bald schon wurden die Farbwerte standardisiert und anhand einschlägiger Ordnungssysteme normiert. Längst kann ein Farbton, aufgrund einer zugewiesenen Kodierung, nachgemischt und somit theoretisch garantiert werden. Schlagartig ist das Geheimnisvolle der Farbigkeit luftfüchtig geworden. Denn durch das Diktat der Normierung werden die Varietäten der Farbgruben, oft sind dies handwerkliche Kleinbetriebe, vom Markt gedrängt. Übrig bleibt ein Standardgemisch quer durch alle Anwendungsbereiche.
Auf das Malerhandwerk bezogen, welches das kollektive Farbempfinden am Wohnungsbau massgebend mitbestimmt, sind wir daran die Farbigkeit auf 10 synthetische Farbkonzentrate und deren Mischtöne zu reduzieren. Diese mit ebenso petroschemischen Bindemitteln gebunden manifestieren nicht einzig ein gigantisches Industriemonopol sondern hinterlassen nach der Trocknung Architekturoberflächen die in absehbarer Zeit als Sondermüll entsorgt werden müssten.